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@ Herbert Potzmann
Reinhold F. Stumpf wurde am 28. September 1970 in Oberwart geboren und lebt heute in Wien und im Südburgenland. Er studierte Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaften an der Fern-Universität Hagen und ist als IT-Berater tätig. Er ist Obmann der Theaterinitiative Burgenland und Autor von Theaterstücken, Drehbüchern, Prosa und Lyrik. Stücke (Auswahl): Zeitlos schön (UA 2008), Das Mädchen auf den Dächern (UA 2009), Kamping - Eine Satire (UA 2010), Sommer(nachts)traum (UA 2010), Alice in der Wunderhörmaschine (UA 2013) Buchveröffentlichungen: Die Hand im Mund, Lyrik und Kurzprosa (edition lex liszt 12, 2012), Kein.Funken.Land. Ein Theaterstück in drei Zeiten (edition lex liszt 12, 2015). Zu seinen Auszeichnungen zählen das Dramatikerstipendium des Bundes 2013 sowie der Literaturpreis der Burgenlandstiftung Theodor Kery 2013.
 

Hologrammatik 


Worte machen Bilder. 
Sätze sind Städte, 
Lettern die Menschen. 
Geschichten erzählen die Raum-Zeit-Welt. 
 
Am Anfang war das unbeschriebene Blatt, 
bedeckend die Blöße der Muse Kalliope. 
 
Der Dichter sät Buchstaben in das brache Feld 
und gießt sie mit seinem Geist: 
zarte Triebe hochgepäppelt und wieder 
zurückgestutzt. 
 
Texte müssen leiden wie Bonsais, 
wie Poeten, wie Programmierer. 
Aus Stilblüten wird ein Rosengarten, 
manchmal Orchideen. 
 
Schreib, ohne ein Bild zu sehen! 
Lies, ohne dass Bilder entstehen! 
 
Nicht einmal Blinden gelingt dieser Kniff. 
Ob Hieroglyphen oder Softwarecode, 
Schriftzeichen wecken Assoziationen. 
 
Schrift zeichnet. 
Abenteuer aus hundert und einer Milliarde 
Nervenzellen, 
Schwarz auf Weiß oder bit in byte. 
 
Der Code sickert in das schwarze Loch. 
Dem Mikroprozessor ist alles Eins und Null. 
 
Das Wort ist Bild geworden und die Geschichte 
Wirklichkeit. 
Das Flüssigkristall zeiht konzentrische Kreise 
Und haucht seinen GEIST aus. 
 
Die Orchidee lässt ihren Kelch an mir vorübergehen.
 
*

zeitlos


jetzt
 
(habe ich
ein zeitlos
gezogen
in der lotterie des augenblicks
hauptpreis
ein hauch von ewigkeit
 
das beste daran
jedes los gewinnt
ein leben lang)
 
bin ich unsterblich

*

traumlandschaft 


sekundenlange
lange
zeiten
voller bäche
bist du
land
voller wasser
so möchte ich
einen anker werfen
trinken
baden
bleiben
 

Aus dem Buch: 
Lyrik und Kurzprosa 
© edition lex liszt 12, 2012

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