hannes-vyoral
© Christine Kainz
Hannes Vyoral wurde am 10. Mai 1953 in Neu-Guntramsdorf (Niederösterreich) geboren, wo er auch aufwuchs. Heute lebt er in Wallern im burgenländischen Seewinkel und in Wien. Seit 1976 ist er freiberuflicher Schriftsteller und Kulturpublizist. Mit Gerhard Ruiss organisierte er den „Ersten österreichischen Schriftstellerkongress“ 1981, bis 1991 war er Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, außerdem hatte er Lehraufträge an den Publizistik- und Germanistik-Instituten der Unis Innsbruck, Salzburg und Wien. Seit 1999 ist er für die Schriftstellervereinigung PODIUM tätig, seit 2005 deren Geschäftsführer. Er ist Herausgeber der Lyrik-Buchreihen „podium porträt“ und „neue lyrik aus österreich“ und Redaktionsmitglied des Magazins „Buchkultur“. Er veröffentlichte bisher rund 40 Bücher, darunter 13 Gedichtbände - zuletzt (Auswahl): aus der wildnis, (Herbstpresse, 2005), nur jetzt genau so (Edition Weinviertel, 2008), streulicht. ausgewählte gedichte (Queastio/Neisse, 2013), leichter proviant. gedichte aus dem seewinkel (edition lex liszt 12, 2013), weiß ist gedicht genug (Edition Thurnhof, 2013). Zu seinen Auszeichnungen zählt u.a. der BEWAG-Lyrik-Preis (2000).
 

leichter proviant 

(Auszüge)
 
ein sonnenstrahl
 

sonnenlicht
fällt blendend
auf die chromstange
meines fahrrads
beschleunigt mich
in den kurven
auf der talfahrt
im leben
licht ist
mein leichter
proviant
 
*
 
frühling
 
silber ist
unter bögen aus laub
frisch ausgeschüttet
maimeere
branden laut
im wind an böschungen
ich denke nichts
ich schwimme
obenauf
 
*
 
sommer im seewinkel
 
im sommer schwimmt
mein denkvermögen
träge
& in rückenlage
schaut in den himmel
stellt fest
dass er wolkenlos ist
blickt einer schwalbe nach
vertieft sich ins blau
befindet beglückt
dass luft
als farbe genügt
 
*
 
kurze brennweite
 
im augenwinkel
ein grüner vogel
zupfend
an clematishaaren
 
im anderen
ein wespenschwarm
das fallobst gärt
im wiesentrog
 
im zentrum aber
die spitze der feder
bedächtig tanzend
wie der falter vor mir
 
auf dem sonnen-
getränkten blatt papier
 
*
 
am ende des tags
 
ich steh unterm vordach
weit nach mitternacht
umgeben von kisten
eingebrachter äpfel
und birnen, unschlüssig
die hand am schalter
ob ich das hoflicht
ausknipsen soll oder nicht
denn schön glänzt
der rasen im regen
und der beton spiegelt
die laterne am haus
 
*
 
herbststurm
 
der herbststurm
bauscht den regenmantel
 
in den taschen
knistert papier
 
bekritzelte zettel
sommerzeilen
 
mein mundvorrat
für die finstere zeit
 

Aus dem Buch:
gedichte aus dem seewinkel 
© edition lex liszt 12, 2013

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